Objektive Bildqualitätsmessung in der Digitalforensik : MTF-basierte Quantifizierung der Bildqualität und erzielbarer Messgenauigkeit für forensische Bildanalysen Artikel uri icon

 

Abstract

  • Bildgestützte digitalforensische Methoden wie der digital-anthropometrische Rigabgleich als forensisches biometrisches Verfahren erfordern die präzise und genaue Lokalisierung von Gelenkpunkten einer Zielperson in Überwachungsaufnahmen. Diese ist maßgeblich von der Bildqualität abhängig, deren Bewertung bislang durch subjektive Einschätzungen erfolgt. Quantitative, objektivierbare Kriterien für die forensische Verwertbarkeit von Bildmaterial fehlen dagegen. Diese Studie beschreibt einen systematischen Ansatz zur quantitativen Bildqualitätsbewertung mittels Modulation Transfer Functions (MTF), der die Kontrastübertragungsfähigkeit optischer Systeme in Abhängigkeit von der Ortsfrequenz misst. Anhand eines Experiments mit einer Sigma fp Kamera und 65mm f/2 Objektiv wurde die theoretische mit der praktischen Messgenauigkeit verglichen. MTF-Messungen bestimmten das Auflösungsvermögen bei verschiedenen Blendenstufen, wobei f/2.8 die höchste Abbildungsleistung zeigte. Die gradientenbasierte Kantenlokalisierung mittels Sobel-Operator ermöglichte eine präzise Punktbestimmung. Bei 108,6m Entfernung wurde eine zentimetergenaue Messung erreicht, während bei f/22 durch Beugungsunschärfe messbare Abweichungen auftraten. Das Verfahren quantifiziert fallspezifisch die benötigte Bildqualität und die erreichbare Messgenauigkeit in Abhängigkeit von Objektgröße, Kameradistanz und Aufnahmebedingungen. Es ersetzt subjektive Bewertungen durch objektive, nachvollziehbare Kriterien und stärkt damit die Gerichtsverwertbarkeit forensischer Bildanalysen. Die Methode erfordert zwar fallspezifische Messungen, bietet aber erstmals einen standardisierten Ablauf zur quantitativen Bildqualitätsbewertung in der forensischen Praxis.

Veröffentlichungszeitpunkt

  • 2026

Zugangsrechte

  • Open Access

Erscheinungsort

  • Mittweida

Band

  • 4

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  • 17

letzte Seite

  • 24

Seitenzahl

  • 8

URN

  • urn:nbn:de:bsz:mit1-opus4-163885